Textauszug aus Taekwondo Aktuell Ausgabe Sept. 2014 Nr. 9

 Sybille Maier im Interview mit Frank Marohn vom PSV Eichstätt

 

Er ist seit über 15 Jahren regelmäßig in den unterschiedlichsten Funktionen für den Taekwondo-Sport aktiv und das neben einer anspruchsvollen Berufstätigkeit als Mathematik-Professor an der Universität Würzburg. Deshalb ist Frank Marohn ein Vorbild für alle Taekwondoka, die sich fragen" Wie soll ich das nur unter einen Hut bringen?"

TA: Herr Marohn, Sie sind beruflich an der Uni Würzburg zuhause, sportlich aber in der Abteilung Taekwondo des PSV Eichstätt. Wie und wann kam das?

Frank Marohn: Das kann ich ganz genau sagen: Es war im Februar 1998, damals richtete der PSV in meinem Wohnort Eichstätt die Bayerische Meisterschaft Vollkontakt aus. Gleich am Montag darauf habe ich im Verein angerufen und in derselben Woche mit dem Training begonnen.

TA: Einfach so?

Frank Marohn: Ein bisschen vorbelastet war ich bereits. Ich hatte in meiner Jugend schon zwei Jahre Taekwondo trainiert, bis zum Grün-Blaugurt. Unter anderem war ich bei Wolfgang Dahmen in Bonn im Training - wie es der Zufall will, ist er ebenfalls Mathematikprofessor. Aber als Vizeweltmeister zog er viele Sportler mit hohem Potenzial an und für mich als Grüngurt wurde das Training in dieser Gruppe irgendwann zur Qual. Ich habe deshalb damit aufgehört und das später manchmal bereut. Bei der Wiederbegegnung 1998 ist der Funke dann sofort erneut übergesprungen.

TA: Mittlerweile sind Sie nicht mehr "nur" Sportler, sondern tauchen in den verschiedensten Positionen auf. Was machen Sie alles?

Frank Marohn: Seit 2008 bin ich im PSV auch Trainer und habe dafür die Trainer B- Lizenz erworben. Ich habe die bayerische Landeskampfrichter A-Lizenz und starte selbst im Formenlauf im Einzel und im Team, was für mich persönlich die größte Herausforderung ist. Außerdem bin ich natürlich dabei, wenn der PSV Turniere ausrichtet, oder mit ausrichtet, wie zum Beispiel jahrelang die Deutschen Meisterschaften in Ingolstadt.

Jutta Lindner und Frank Marohn - PSV Eichstätt

TA: Was motiviert Sie, sich so intensiv zu engagieren?

Frank Marohn: Ich möchte dem Taekwondo-Sport etwas zurückgeben. Ohne Leute, die Turniere organisieren, ginge es ja nicht. Und als Sportler wäre ich selbst tief enttäuscht, wenn keine Kampfrichter da wären. Deshalb übernehme ich auch solche Aufgaben, um den Sportbetrieb zu fördern und zu unterstützen.

TA: Sie packen bei Turnieren überall selbst mit an, auch wenn es zum Beispiel ans Aufräumen geht. Ist das eine Einstellungssache?

Frank Marohn: Ich denke schon, dass es sich schlecht macht, wenn der Trainer nicht mithilft. Es gibt ja leider gerade nach großen Turnieren zum Teil sehr unerfreuliche Dinge zu tun. Ich denke da nur an den ganzen Müll, den die Helfer beseitigen müssen. Ich bin mir dafür nicht zu schade. Trotzdem bin ich nicht ganz unglücklich darüber, dass wir die Deutschen Meisterschaften nicht mehr mit ausrichten.

TA: Was möchten Sie als Trainer Ihren Schülern - neben Taekwondo-Kenntnissen - vermitteln?

Frank Marohn: Wichtig ist es mir, im Training auch die Sozialkompetenz zu fördern und zwar insbesondere bei Kindern, durchaus aber auch bei den erwachsenen Sportlern. Dazu gehören für mich vor allem Fairness, Respekt und Toleranz - einfach alle Eigenschaften, die ein gutes Miteinander ausmachen.

TA: Wissen Ihre Kollegen oder die Studenten in Würzburg, dass Sie im Kampfsport aktiv sind - und wenn ja, wie reagieren sie darauf?

Frank Marohn: Das ist nur im engeren Kreis bekannt. Zum Beispiel läuft ein Kollege selbst Marathon, mit dem tausche ich mich dann auch über den Taekwondosport aus. Seit ich bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften 2007 in Mainz den dritten Platz gemacht habe - was mich sehr gefreut hat, immerhin waren die anderen Starter alle Studenten - und die Uni das auf ihrer Homepage veröffentlichte, sprechen mich ab und zu auch Studierende auf Taekwondo an.

TA: Hätten Sie kein Interesse, sich auch bei Unisport Würzburg in Taekwondo zu engagieren?

Frank Marohn: Reizen würde es mich schon, aber dazu fehlt mir die Zeit - sonst müsste ich den PSV Eichstätt vernachlässigen.

TA: In der letzten Zeit sind immer wieder Angebote im Bereich "Kampfsport für Akademiker" zu finden. Was halten Sie davon?

Frank Marohn: Ich bin kein Freund von derartigen Sportangeboten. Der Sport sollte doch ganz im Gegenteil gerade Grenzen überwinden und Menschen aus verschiedensten Bereichen zusammen bringen. Im Vereinssport würde ich solche Angebote deshalb nicht begrüßen - als Marketingidee von Privatschulen kann ich sie nachvollziehen.

Frank Marohn (rechts) bei den World-Masters Games 2013

TA: Wo sehen Sie generell die Stärke eines Vereins, gerade im Kontrast zu anderen Angeboten?

Frank Marohn: So pauschal lässt sich das nicht sagen. Ich war in meiner Jugend in verschiedenen Vereinen, von Tischtennis über Fußball bis Geräteturnen und habe dabei festgestellt, dass ich eigentlich kein Vereinstyp bin. Im PSV Eichstätt habe ich aber eine Heimat gefunden und der Verein hat maßgeblichen Anteil an meiner sportlichen und durchaus auch persönlichen Entwicklung in den letzten Jahren.

TA: Inwiefern?

Frank Marohn: Ich habe hohen Respekt vor dem ehrenamtlichen Engagement der Vereinsleitung. Das Training bei Michael und Tanya Bußmann ist immer ein Gewinn und eine Motivation und ich sehe sie als Vorbilder. Für mich ist das eine absolut positive Erfahrung, die ich gerne weiter empfehle. Ich gehe nebenbei auch ins Fitness-Studio, aber dort ist die Atmosphäre eine ganz andere. Das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Miteinander fehlen einfach. Das zeichnet einen guten Verein aus.

TA: Was sind für Sie persönliche Highlights als Taekwondo-Sportler?

Frank Marohn: Das sind doch die Turnierbesuche, wie die Deutsche Hochschulmeisterschaft und die European und World Masters Games.

TA: Sind Sie bei den European Masters Games im nächsten Jahr in Nizza wieder mit von der Partie?

Frank Marohn: Die habe ich schon fest eingeplant!

TA: Herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Informationen zu Taekwondo auch unter: http://www.taekwondo-aktuell.de